Spring über Deinen Schatten!

Der Podcast für Menschen, die aussergewöhnliche Herausforderungen meistern und große Ziele erreichen wollen.

Keine Macht der Angst

Folge 100: „Keine Angst vor der Angst – Gewonnen wird zwischen den Ohren – verloren aber auch…“


„Wie kann ich Situationen, in denen ich sehr viel Angst habe, gut meistern?“

„Geht es darum, die Angst zu besiegen oder darum sie zu akzeptieren?“

Auf diese beiden Fragen von Teilnehmern erhältst Du drei Techniken, wie Du Deine Angst im Alltag und im Berufsleben besiegen kannst. Du erfährst, was das Gute hinter körperlichen Anzeichen von Angst ist, wie Dir eine Angst-Hierarchie hilft und wie Du mit Denkblockaden mitten in der Angst umgehen kannst.

Link zur Umfrage: https://bit.ly/3p3PA5s

Keine Angst vor der Angst – Gewonnen wird zwischen den Ohren, verloren aber auch

Letzte Woche haben mir zwei Teilnehmer folgende Fragen gestellt. Die erste Frage: „Wie kann ich Situationen, in denen ich sehr viel Angst habe, besser bis gut meistern?“ Und die zweite Frage: „Bei der Angst, die ich habe, geht es darum, die Angst zu besiegen oder geht es darum, sie zu akzeptieren?“Aus meiner Sicht zwei sehr gute Fragen. Die gute Nachricht erst einmal vorab. Angst verleiht Dir die Fähigkeit, schnell zu reagieren, indem sie Dich in einen Zustand der Alarmbereitschaft versetzt. Das heißt, alles, was Du in diesem Moment als unangenehm wahrnimmst, zum Beispiel, dass sich:

Dein Herzschlag erhöht, 

Deine Atmung sich beschleunigt, 

Dein Blutdruck steigt, 

Dir bricht der Schweiß aus. 

All‘ das zusammen trägt dazu bei, dass sich Adrenalin ausschüttet und Du voll einsatzfähig wirst. Das ist die gute Nachricht. Manchmal kippt jedoch das System. Wie zurzeit der Säbelzahntiger reagierst Du dann auf drei unterschiedliche Arten. Zum einem mit der Schockstarre. Heute bedeutet das, dass in diesem Moment Deine Gedanken blockiert sind. Dass Du Dich nicht mehr bewegen kannst. Dass Du nicht mehr denken kannst. Dass Dein Kopf vollkommen leer ist.

Der Säbelzahntiger begleitet uns heute noch

Die zweite Reaktion, die wir von damals herübergerettet haben, ist der Angriff. Deine Reaktion auf die Situation wird aggressiv. Frei nach dem Motto, Angriff ist die beste Verteidigung und Du gehst auf irgendetwas oder irgendjemanden, natürlich nur verbal, los und bist sauer. 

Die dritte Reaktion, die wir von damals noch haben, ist Flucht. Auch heute laufen noch viele Menschen einfach weg, wenn sie Angst bekommen. Sie werden zum Beispiel krank, wenn sie eine Präsentation halten sollen, oder sie vergessen den wichtigen Verhandlungstermin. Oder sie sagen vielleicht sogar Ja und Amen, obwohl alles in ihnen „Nein“ meint. Auch das ist eine Form von Flucht. 

Recherchen haben ergeben, dass circa jeder sechste Mensch wegen Angst zum Arzt geht. Die gute Nachricht dabei ist — jeder Mensch hat Angst. Denn Angst ist eine Basisemotion, wie Freude, Trauer, Ekel und Verachtung. Wir haben sie von Anfang an in uns. Angst ist wichtig, denn am Ende des Tages hilft sie uns auch, unser Leben zu retten. Zumindest war das so in Zeiten des Säbelzahntigers. Angst gehört zu unserem Leben. Wie gesagt, sie schützt uns oder hat das eben Jahrtausende lang gemacht. 

Angst schützt uns

Was bedeutet jetzt keine Angst vor der Angst zu haben? Zum einem, Angst ist gut, wenn sie uns beschützt. Zum anderen, sie ist schlecht, wenn sie über uns bestimmt. Wenn sie uns die Freiheit zum Handeln nimmt. Und was noch viel schlimmer ist, wenn wir Angst vor der Angst haben. Sich also in unserem Kopf Gedanken darüber entwickeln, was alles passieren könnte und vor was wir uns fürchten müssten bzw. eine der drei Reaktionen, wie Flucht, Totstellen, also Denkblockade oder Aggression übermächtig wird und wir nichts anderes mehr machen können. Die Schockstarre zum Beispiel bedeutet, dass die Angst Dich jetzt so lähmt, dass Du Deinen Aufgaben nicht mehr nachkommen kannst. Dass Du all Deine Energie in die Angst steckst und dass Deine Gedanken sich nur noch um Deine Ängste kreisen.

Oder die Fluchtreaktion. Du flüchtest, indem Du Ausreden erfindest, weshalb Du das, was Du tun sollst, nicht tun kannst oder was Du vielleicht sogar ganz gerne tun würdest, aber aus Angst eben nicht kannst. Das gleiche gilt, wenn Du in den Angriff-Kampf-Modus gehst, und verbal aggressiv wirst und Menschen, die gerade bequem im Weg stehen oder die etwas mit der Aufgabe zu tun haben, beleidigst, ungerechterweise anschnauzt oder für Fehler verantwortlich machst, für die sie nichts können. 

Gewonnen wird zwischen den Ohren, verloren aber auch…

Was kannst Du denn jetzt tun, damit Du Deine Angst loswirst? Da gibt es eine ganze Reihe von verschiedenen Möglichkeiten, unter anderem natürlich einen Arzt oder einen Therapeuten aufsuchen. Besonders dann, wenn Du merkst, dass Dein Leben merklich eingeschränkt wird, durch diese Angst. Wenn dieser Zustand der Angst, Dich oft einschränkt, Dich daran hindert Deine Pläne umzusetzen oder Deine Arbeit schwerer macht, als sie eigentlich wäre, dann gibt es eine Reihe von Übungen und Techniken, die dir helfen, dass Du der Angst vor der Angst vorbeugen kannst. Denn der Gedanke: Gewonnen wird zwischen den Ohren, aber auch verloren, ist aktueller denn je. Wenn die Angst zu stark ist, dann hast Du schon verloren, bevor Du überhaupt angefangen hast.

Ich habe Dir wie immer drei Tipps mitgebracht, um Dir eine Unterstützung zu bieten, Dir Handwerkszeug an die Hand zu geben, damit Du diese Situation, besonders die Angst vor der Angst, bekämpfen bzw. irgendwann auch loswerden kannst. 

Die erste Technik: Konfrontation

Vor ein paar Jahren – der eine oder andere, der fleißig bei den Podcasts dabei ist oder auch andere Vorträge oder Videos von mir schon gesehen hat, kennt die Geschichte. Vor ein paar Jahren wollte ich nach Afrika reisen. Es war geplant, mit meinem Partner zu fliegen, doch kurzfristig stellte sich heraus, dass mein Partner nicht mit dabei sein würde. Ich hatte mich trotzdem weiterhin auf die Reise gefreut. Ich habe fleißig nach einem Flug gesucht, der nicht so teuer ist. Gleichzeitig erzählte ich Menschen in meinem Umfeld, wie sehr ich mich auf diese Reise freue. Dabei kamen immer mehr Warnungen von allen Seiten. „Das ist viel zu gefährlich“, „Das kannst Du nicht machen, Du kommst nicht heil wieder.“ 

Südafrika war eines der beiden Länder, Namibia und Südafrika, die ich besuchen wollte. „Du wirst überfallen werden, wenn nicht sogar sterben“, „Es sterben jährlich so viele Touristen, die dort sind.“ „Und überhaupt, das geht gar nicht, dass Du alleine hinfliegst“. „Das ist alles viel zu gefährlich.“ Mit der Zeit habe ich bemerkt, dass diese Angst von ganz hinten nach vorne kam und sie anfing, mich zu lähmen. Ich habe angefangen, mir auszumalen, was alles passieren kann. Und in dem Moment, in dem es mir bewusst wurde, dass ich anfange es zuzulassen, dass diese Gedanken sich immer mehr und breiter in meinem Kopf ausbreiteten. In diesem Moment bin ich zu meinem Laptop gegangen und habe meinen Flug nach Afrika gebucht. Ja, diese Flüge sind nicht ganz günstig und deswegen ist es dann auch dabeigeblieben. Es gab kein Zurück mehr. 

Durch die Angst durchgehen

Den ersten Tipp, den ich Dir hier mitgebe, nennen die Experten Konfrontation, sich der Angst zu stellen. Und Experten empfehlen, durch diese Angst durchzugehen. Wenn Du nur sagst: „Ich will meine Angst loswerden, ist das eine Form von Flucht. Viel geschickter ist es, dass Du durch die Angst durchgehst. Dass Du sie überstehst, dass Du sie durchsteht und dass Du die Erfahrung machst, dass die Situation, vor der Du gerade so viel Angst hast und die Du Dir in den dunkelsten und schrecklichsten Farben ausmalst, dass diese Situation gar nicht so schlimm ist. Dass Du sie meistern kannst, weil Du alles hast, was Du dazu brauchst, um diese Aufgabe zu bewältigen. Und wenn Du diese Erfahrung gemacht hast, dann geht es Dir besser. Dann weißt Du, dass Du diese Angst besiegt hast. Das ist nicht so einfach, wie es theoretisch klingt, doch es bedeutet, dass Du eine Chance hast und dass Du es schaffen kannst.

Die Angst-Hierarchie 

Sich Deiner Angst zu stellen, durch sie durchzugehen, das kannst Du auch in kleinen Schritten tun. Du kannst dazu eine Angst-Hierarchie ausarbeiten. Hier ist ein Beispiel, wie Du eine Angst-Hierarchie zum Thema „Angst vor Gruppen zu reden“, erstellen kannst. Unter dieser Angst leiden viele Menschen. Und dabei geht es nicht um den Beruf Rednerin und auf der großen Bühne zu stehen. Es geht mehr darum, dass Du Deine Meinung vor einer Gruppe vertreten oder dass Du eine Präsentation halten oder dass Du ein Verkaufsgespräch mit zwei, drei Abgesandten Deines Kunden führen sollst. Manche Menschen haben schlaflose Nächte davor. 

Beispielsweise habe ich festgestellt, dass viele meiner Teilnehmer weniger Angst vor der Gruppe zu sprechen haben, wenn sie auf ihrem Stuhl, sitzen bleiben können. Das wäre dann der Angst-Level 1: Kleine Gruppe von drei bis vier Menschen. Du kannst dabei auf Deinem Platz bleiben und Deine Meinung vertreten. 

Level für Level

Angst-Level 2 wäre eine etwas größere Gruppe, vielleicht zehn bis 20 Menschen. Und Du bleibst weiterhin auf Deinem Platz und vertrittst dort Deine Meinung oder präsentierst Dein Produkt. Anschließend geht es weiter und Du steigerst Dich von Level zu Level. Vielleicht bis zum Level Nummer 10, der dann bedeutet, dass Du vor hundert oder mehr Menschen sprichst und eine Präsentation im Stehen mit PowerPoint hältst. 

Du kannst dieses Beispiel jetzt mit Deiner Angst, mit Deinen Ängsten, mit den Gedanken, die Dich immer wieder überfallen füllen und Deine 1 bis 10 Levels entwickeln. Es dürfen auch weniger sein, je nachdem, wie es Dir damit geht.

Das Interessante dabei ist, dass Du Schritt für Schritt entscheidest, wie viele Levels es gibt, mit welchem Level Du startest und was dann am Ende Deine größte Herausforderung beziehungsweise Dein höchster Level wäre. Du definierst, wie es aussieht, wenn Du Deine größte Herausforderung gemeistert hast. Es bedeutet aber auch, wenn Du in diese Konfrontation gehst, also das Besiegen Deiner Angst in Angriff nimmst, sie durchlaufen hast und dass Du das immer wieder mal wiederholen musst. Das es abermals passieren kann, dass Dich Deine bekannte Angst überfällt. Am Anfang öfters, mit der Zeit weniger und von Mal zu Mal wird Dein Angstgefühl schwächer. Das kann ich Dir aus eigener Erfahrung sagen. 

Dein Strahlen im Gesicht

Und irgendwann, wenn Du öfters geübt hast, wenn Du drangeblieben bist, verschwindet sie tatsächlich ganz. In seltenen Fällen ist es ein lebenslanges Üben, indem Du immer wieder dagegen ankämpfen wirst. Es gibt viele Menschen, die da immer wieder üben, von denen ich genau weiß, dass sie jetzt ängstlich sind, weil sie sich mir anvertraut haben. Aber sie gehen tapfer durch ihre Angst und freuen sich hinterher sehr: „Ja, ich habe es geschafft. Ich bin da durchgegangen.“ Und ihr Strahlen im Gesicht ist wirklich wunderschön. 

Das Spannende ist ja, dass nicht die Situation die Angst auslöst, sondern Deine Gedanken dazu. Die Psychotherapeutin Anna Lübberding, zeigt dies sehr schön an dem Beispiel mit der Spinnen-Angst. Sie meint dazu, dass es Menschen gibt, die retten Spinnen, setzen sie auf ihre Hand und tragen sie in den Garten, während andere aufschreien und laut entsetzt weglaufen, weil ihnen so eine kleine Spinne über den Weg läuft. 

Das zeigt deutlich, dass nicht die Spinne das Problem ist. Denn die Spinne bleibt die Spinne. Es ist Deine Vorstellung von den Möglichkeiten, die die Spinne hat. Denn wenn die Spinne das Problem wäre, hätten wir alle Angst davor, wie vielleicht damals vorm Säbelzahntiger. 

Spinnen sind Spinnen

Zusammengefasst lautet der erste Tipp: Konfrontation! Trau Dich in die Situation und durch die Situation zu gehen und es so oft zu üben, bis Du irgendwann denkst: „Versteh gar nicht, warum ich mich da mal gefürchtet habe.“

Der zweite Tipp, den ich Dir gerne mitgebe, um keine Angst vor der Angst mehr zu haben. Auch dazu gibt es eine Geschichte aus meinem Leben. Diese Geschichte kennst Du vielleicht schon, wenn Du mein Buch: 

„Schattensprünge, 13 Anstöße, um über sich hinauszuwachsen“

gelesen hast. Kurz zur Erinnerung oder zur Information, wenn Du sie noch nicht kennst. Als ich knapp 30 war, war ich alleinerziehend, Mutter von drei kleinen Kindern und arbeitssuchend. Lange Geschichte kurz erzählt. Irgendwann kam ich in die Phase, in der ich voller Ängste geplagt auf der Couch lag und mich in einer Schockstarre befand. Denn ich habe mich um nichts mehr gekümmert. Ich lag da und hatte nur noch dieses Bild vor Augen, dass ich mit meinen Kindern unter der Brücke, im Schlafsack mit einer Dose Ravioli leben müsste. Tage, Wochen und Monate so verbringen muss.

Sorge Dich nicht, lebe!

Diese Gedanken, diese Bilder hatte mich so festgefroren, dass ich mich auch nicht mehr beworben hatte und keine Anstrengung mehr unternahm, etwas gegen meine Situation zu unternehmen. Ich konnte gerade noch die Kinder versorgen und ansonsten hing ich lethargisch in der Wohnung rum, bis zu dem Tag, als eine Freundin mir ein Buch brachte. Ein Buch von Dale Carnegie. Das Buch heißt: „Sorge Dich nicht, lebe!“ In diesem Buch gab es ein Kapitel, mit der Frage: „Was ist das Schlimmste, was Dir in Deiner Situation, die Dir so Angst macht, passieren kann?“ Ich nahm all meinen Mut zusammen, habe mich an den Küchentisch gesetzt und habe mir einmal überlegt, was das Schlimmste ist, was mir passieren könnte. Meine Angst, meine Bilder waren ja, dass meine Kinder und ich unter der Brücke im Schlafsack mit den Ravioli Dosen hausen müssten. 

Danach kam die nächste Frage: „Wie realistisch ist das? Diese Erfahrung ist jetzt schon ein paar Jahrzehnte her. Doch wie realistisch war es auch damals, dass man Deutschland auf der Straße als Mutter von Kindern landet? Eher unwahrscheinlich. Viel realistischer war es doch, dass ich in einer Sozialwohnung, vielleicht in einer viel zu kleinen Sozialwohnung, in einem sozialen Brennpunktgebiet unterkomme. 

Stirbt daran jemand?

Weiter ging es mit der nächsten Frage: „Wird daran jemand sterben?“ Wahrscheinlich nicht. „Wird dadurch jemand ernsthaft krank?“ Eher auch nicht. „Muss ich den Rest meines Lebens in dieser Sozialwohnung, in dieser viel zu kleinen Sozialwohnung, in dem sozialen Brennpunkt-Gebiet verbringen? Vermutlich auch nicht, denn irgendwann sind die Kinder groß und ich kann wieder mehr arbeiten. Ich kann anderen Arbeiten nachgehen. Oder ich habe lange genug gesucht und einen neuen Arbeitgeber gefunden. Oder, oder, oder… 

Jedenfalls werde ich sicherlich nicht den Rest meines Lebens dort verbringen. Damals habe ich gelernt: „Mach Dir einen Plan B, schreib ihn auf, steck ihn einen Umschlag und lege ihn in eine Schublade. Hole ihn heraus, wenn Du ihn brauchst.“ Auf meinem Zettel stand: „Was ist das Schlimmste, was passiert? Wir ziehen in eine Sozialwohnung. Dort werden wir einige Zeit verbringen und danach werde ich mich um einen neuen Arbeitsplatz kümmern. Wenn ich dann auch wieder mehr Freiheiten habe, die Kinder ein bisschen größer sind, was auch immer. Ich würde mich wieder um eine neue lukrativere Aufgabe kümmern, um dann irgendwann wieder eine neue, größere Wohnung oder vielleicht wieder ein Reiheneckhaus zu mieten. So eins, wie dass, in dem wir gerade lebten. Ich habe den Umschlag mit dem Plan B in eine Schublade gelegt, so wie die letzte Anweisung im Buch lautete. 

Jetzt kannst Du viel tun

Die allerletze Aufforderung war dann: „Unternimm alles, was Dir jetzt und heute möglich ist, damit genau Dein Plan B nicht nötig wird, sondern dass das geschieht, was Du gerne als Dein Ziel, als Deinen Plan, als Deine Aufgabe erreichen willst. Um was es auch immer gerade geht. Jetzt ist die Chance, alles dafür zu tun.“ 

Du kannst die Angst nun zur Seite schieben, denn Du hast einen Plan B und dabei hilft Dir gleich der nächste Tipp, den ich Dir noch mit reinpacke. Es ist die Übung des Gedanken-Stopps. Du weißt jetzt, Du hast einen Plan B in der Schublade. Doch es kann sein, dass Deine Gedanken noch nicht ganz überzeugt davon sind. Denn sie kommen immer wieder mal vorbeigeflogen und versuchen Dich zu warnen, indem sie Deine Angstgefühle aktivieren. In dem Moment, in dem Dich diese Gedanken überfallen, kommt der Gedanken-Stopp! 

Nutze den Gedanken-Stopp

Den Gedanken-Stopp aktivierst Du mit folgenden Sätzen: „Vielen Dank für den Hinweis. Ich habe Dich (den Gedanken) wahrgenommen. Du kannst jetzt gehen.“ Dabei schiebst Du den oder die Gedanken gedanklich weiter. Oder Du machst tatsächlich mit der Hand eine Bewegung, wie Du etwas zur Seite schiebst. Mache ruhig diese Geste und beobachte, wie der Gedanken-Stopp eintritt. 

Wahrscheinlich kennst Du das folgende Spiel im Schwimmbad oder im See. Du bist im Wasser mit einem Ball zum Spielen. Nun versuchst Du diesen Ball unter Wasser zu drücken. Wenn der Ball mit Luft gefüllt ist, ist das sehr anstrengend. Der Ball ist glitschig und er will nicht unter Wasser bleiben und poppt immer auf. 

Es ist sehr anstrengend, etwas unter Wasser zu drücken. Du brauchst dazu sehr viel Kraft und desto größer der Ball ist, desto anstrengender wird das Ganze. So ähnlich ist es auch mit Deinen Ängsten bzw. Deinen Gedanken. Sie einfach so zu unterdrücken ist sehr anstrengend. Wenn aber dieser Ball so neben Dir herschwimmt, ist es viel leichter, ihn mal aus dem Weg zu schubsen. Vielleicht begleitet er Dich, doch das ist nicht so anstrengend, als ständig mit ihm zu kämpfen. Eine gewisse Zeit ist es sicherlich sinnvoll, Gedanken nebenher treiben zu lassen. Das war auch die zweite Frage, die von meinem Teilnehmer gestellt wurde. Ob er seine Angst akzeptieren soll.

Wenn Du versuchst einen Ball unter Wasser zu drücken

Während Du noch am Üben bist, diese Angst auf lange Sicht loszuwerden, können Dich eine Reihe von Übungen dabei unterstützen, dass Du die Angst leichter zur Seite schieben kannst, wie den Ball im Wasser. 

Diese Übungen führst Du, unabhängig von Deinem Angstgefühl regelmäßig durch. Du integrierst sie so in Deinem Leben, dass Du sie während einer Angstattacke oder bei der Angst vor der Angst leicht abrufen kannst.

Das sind zum Beispiel Atemübungen. Es gibt eine Reihe von Atemübungen, die Dir helfen, Dich in dem Moment, wenn die Angst Dich überfällt, durchatmen zu lassen. Angst bedeutet auch, dass es eng wird, dass Du das Gefühl hast keine Luft mehr zubekommen, dass alles zugeht. 

Progressive Muskelentspannung

Durchatmen macht Dich wieder weiter. Wichtig dabei ist, dass Du diese Übungen zum Durchatmen im Vorfeld regelmäßig übst. Nur dann funktioniert sie direkt in der Situation. Eine weitere Möglichkeit wie Du Deine Angst vor der Angst begleitend unterstützen kannst, ist die progressive Muskelentspannung. Viele Menschen verspannen sich innerlich, wenn sie Angst haben. Sie verkrampfen regelrecht. Anspannung und Entspannung im Vorfeld zu üben, hilft Dir, wenn Du es während Deiner Angst brauchst. Es gibt viele Techniken, mit denen Du Anspannung und Entspannung üben kannst. 

Eine weitere Möglichkeit, Dich im Vorfeld für Angst besetzte Situationen vorzubereiten, sind Yoga und/oder Meditation. Also Yoga mit oder ohne Meditation. Oder Meditation mit und ohne Yoga. Je nachdem, für was Du Dich mehr begeistern kannst. Wichtig ist, dass Du auch diese Übungen (Yoga und/oder Meditation) immer wieder im Vorfeld machst, damit Du dann, wenn Du mitten in diesem Angst-Anfall bist, sie anwenden kannst. Yoga und Meditation oder beides zusammen hilft Dir mitten in der Situation, wenn Du vorher gut geübt hast. 

Üben, üben und nochmal üben

Was ich bei der Vorbereitung auf diesen Podcast noch extra dazu gelernt habe, ist, dass es Grundsätzlich hilft, Sport zu machen, egal welcher Sport. Denn Sport verleiht Dir Glücksgefühle. Sport verleiht Dir Kraft. Du lernst dadurch Körperbeherrschung. Körperbeherrschung hilft Dir bei Angst-Attacken. Sport hilft Dir beim aufsteigenden Deiner Angstgefühle, Deinen Körper zu entspannen, durchzuatmen und durch die Angst durchzugehen.

Es ist also eine gute Sache, wenn Du Dir einen Sport suchst, falls Du das nicht schon eh tust und diesen regelmäßig durchführst. Das unterstützt Dich, wenn es um Ängste geht, vor allem um die Angst vor der Angst. 

Ängste sind schon lange da – die Anlässe dazu wechseln

Zum Schluss habe Dir sehr gerne einige Worte von C.S. Lewis, Schriftsteller, mitgebracht. Als er diese Worte geschrieben hat, war er 72 Jahre jung, und es war die Zeit, als die ganze Welt Angst vor der Atombombe hatte. 

Mich hat dieser Text sehr, sehr beeindruckt. Ich habe mir erlaubt, das Wort Atombombe, das damals als er den Text geschrieben hat, die Ängste ausgelöst hatte, gegen das Wort „Pandemie“ auszutauschen. Du kannst gerne in diesem Text, Dein Angstwort nehmen und das „Pandemie“ durch Dein Wort auswechseln. Ein Begriff, welcher für Deine Angst oder Deine Ängste steht. 

Worte von C.S. Lewis, Schriftsteller

In gewisser Weise nehmen wir die Pandemie viel zu wichtig. „Wie sollen wir in einer Pandemie leben?“ Ich bin versucht, zu antworten: „Na, so wie Sie im sechzehnten Jahrhundert gelebt hätten, als die Pest fast jedes Jahr die Stadt London heimsuchte, oder wie Sie im Wikingerzeitalter gelebt hätten, als Räuber aus Skandinavien jede Nacht bei uns landeten und Ihnen die Kehle durchschneiden konnten; oder so, wie Sie bereits jetzt im Zeitalter von Krebs, Syphilis, Lähmung, Terroranschlägen, Flugunglücken und Autounfällen leben.“

„Fangen wir nicht an, zu glauben, dass wir es mit einer völlig neuartigen Herausforderung zu tun haben.“

Mit anderen Worten: Fangen wir nicht an, zu glauben, dass wir es mit einer völlig neuartigen Herausforderung zu tun haben. Glaube mir, lieber Herr oder liebe Frau, Sie und alle, die Sie lieben, waren schon zum Tode verurteilt, bevor die Pandemie uns erreichte. Ein recht hoher Prozentsatz von uns wird auch so auf eine eher unangenehme Weise sterben. Wir hatten und haben gegenüber unseren Vorfahren in der Tat einen sehr großen Vorteil, die Anästhesie. Aber es ist lächerlich, zu winseln und lange Gesichter zu ziehen. Die Pandemie ist nur eine weitere Gelegenheit für einen schmerzhaften und vorzeitigen Tod in einer Welt, in der es viele Möglichkeiten gibt, zu sterben. Der Tod ist keine Möglichkeit, sondern eine Gewissheit.

Dies ist der erste Punkt, den ich mal ansprechen wollte. Das Erste, was wir tun müssen, ist, uns zusammenzureißen. Wenn diese Pandemie uns zerstört, dann soll sie uns dabei erwischen, wie wir sinnvolle und gütig Dinge tun – beten, arbeiten, unterrichten, lesen, Musik hören, die Kinder baden, Sport treiben oder mit unseren Freunden bei einem Schoppen plaudern. Wir sollen nicht zusammengekauert, wie verängstigte Schafe über die Pandemie nachdenken. Die Pandemie mag unseren Körper zerstören, unseren Geist darf sie nicht beherrschen.

Hier ist der Link zum Original

Vorsorge ist sinnvoll, krank vor Sorge nicht

Wie gesagt, mich haben diese Worte wirklich sehr beeindruckt. Denn da stehen Tatsachen, recht hart formuliert und mehr als deutlich gesagt. Doch wo er recht hat, hat er recht und es ergibt doch keinen Sinn, irgendeinen Tag zu vergeuden. C.S. Lewis meinte damit nicht, dass wir jetzt sorglos mit der Situation umgehen sollen, in welcher wir auch immer stecken. Wir haben viele Möglichkeiten etwas zu unternehmen, damit das, was am schlimmsten passieren könnte, gar nicht erst eintritt. Vorsorgen ja, krank werden, untätig sein, in Schockstarre zu versinken oder vor der Realität zu flüchten oder gar aggressiv auf Menschen oder die Welt zu reagieren, das alles ergibt wirklich keinen Sinn. 

Besser ist es, nach dem Motto dieses Podcasts zu leben: „Lebe Dein Leben!“ Ein Vorsatz, den Schattenspringer gerne umsetzen. „Spring über Deinen Schatten. Lebe Dein Leben“, ist meiner Meinung nach, die Kurzform der Sätze von C.S. Lewis. Das Mantra all derer, die über ihren Schatten springen. Genauso wie Du das vermutlich immer wieder machst. 

Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg dabei.